Bootstechnik Küstenrudern

Logbuch Südafrika 2017/18_7

Wir sind wiederholt gefragt worden, was das für Boote sind, mit denen man auf dem Meer rudern kann. Eine berechtigte Frage, denn am heimischen Ammersee sorgen leichte Wellen bereits für echte Probleme, und sobald genug Wind für die Segler da ist, ist Schluss mit Rudern. Die Ruderer des Cape Costal Rowing Clubs (CCRC) dagegen durchpflügen auch bei Ein-Meter-Wellen noch gelassen das Wasser, die Skulls fest im Griff, damit der Wind sie ihnen nicht aus der Hand reißt.

Der Club verfügt über zwei Doppel-Vierer mit Steuermann (coxed Quad), mehrere Doppel-Zweier (Double) und einige Einer (Single) – alle schnell, wendig und regattageeignet. Hersteller der meisten Boote ist die französische Firma Eurodiffusions, die sich auf Boote für das Küstenrudern spezialisiert hat.

Der Rumpf

Die Boote haben einen hohlen Fiberglas-Rumpf und würden selbst dann noch schwimmen, wenn sie voll Wasser liefen. Allerdings kann sich nicht besonders viel Wasser im Boot sammeln, da für leichten Abfluss gesorgt ist. Entweder durch das offene Heck (siehe Titelbild), oder beim Vierer über eine verschließbare Bodenöffnung am Platz des Steuermanns (Lenzklappe). Der Rumpf ist breit und flach, um bessere seitliche Stabilität zu bieten. Da die Boote kiellos sind, benötigen sie eine Finne. Verliert man diese, lässt sich das Boot kaum noch auf Kurs halten, was wir bei unserem Ausflug an die Westküste (http://cox-box.de/man-kann-reiten-rudern-seltene-tiere-beobachten/) live erleben konnten („The crew is not drunken, but the boat is“).

Der Arbeitsplatz des Steuermanns. Am Boden die beiden Entwässerungsöffnungen.

Die Ausleger

Auffälligstes Merkmal der meisten Boote (Quads und Doubles) sind die klappbaren Ausleger. Zunächst einmal lässt sich das Boot dadurch mit wenigen Handgriffen „schlank“ machen, wodurch sich mehrere Boote platzsparend nebeneinander parken lassen. Das ist gerade hier sehr praktisch, da der CCRC keine Racks hat, um die Boote übereinander unterzubringen. Die Skulls bleiben in den Auslegern und liegen längs im Boot. Damit sind die Boote sehr schnell ruderbereit. Die Möglichkeit, die Ausleger komplett einklappen zu können, beruht übrigens auf einer Modifikation der Originalausleger durch den CCRC.

Einklappen der Ausleger
Boot bereit zum Verstauen

Der wichtigste Vorteil zeigt sich allerdings erst beim Rudern bei hohem Wellengang. Wenn das Blatt durch eine hohe Welle über den Bootsrand hinaus nach oben gedrückt wird, kann der Ausleger nach oben ausweichen und verhindert, dass das Bein unter dem Skull eingeklemmt wird.

Darüber hinaus ist diese Auslegerkonstruktion auch noch ausgesprochen leicht.

Die Singles haben durchgängig starre Ausleger.

Die Skulls

Von der Dolle an gibt es keine Unterschiede mehr zu unseren „Flachwasser-Booten“. Mehr ist dazu an dieser Stelle nicht zu sagen.

Die Praxis

Bei Wellengang lassen sich die Doubles am leichtesten handhaben. Deshalb wurde die kürzliche Durchquerung der False Bay (http://cox-box.de/ausflug-mit-gummiente/) auch ausschließlich mit diesen Booten durchgeführt. Die Quads sind eigentlich eher Fluss-Ruderboote, so dass es ganz gut ist, dass sie grundsätzlich mit Steuermann gefahren werden.

Jedes Boot hat am Heck eine Öffnung, um den Hohlraum des Bootes entwässern zu können, denn im Laufe der Zeit ergeben sich immer leichte Undichtigkeiten. So gehört es zum Standardprozedere nach dem Rudern, die Entwässerungsschraube zu öffnen. Je nach Wellengang und Bootsgröße kommen da schon mal fünf Liter zusammen. Die Quads werden per Schlauch über die Hecköffnung entwässert.

Ansaugen des Entwässerungsschlauchs

Sand und Salzwasser setzen dem Material gehörig zu. Und beim Anlanden lässt sich auch nicht immer ein Felsen-Kontakt ausschließen. Die Manschetten der Skulls sind echtes Verschleißmaterial, da sie mit der Zeit rundgescheuert werden und dann keinen richtigen Halt mehr bieten. Bedingt durch die derzeitige Wasserknappheit in der Kap-Region werden die Boote nach dem Einsatz mit Salzwasser gereinigt. Die Folge ist, dass sich an einigen Stellen deutliche Rostspuren zeigen, obwohl größtenteils rostbeständige Materialien verwendet sind. Das Material hat also ordentlich was wegzustecken, aber diesen Booten gelingt das souverän.

Fazit

Geile Sache! Herkommen! Ausprobieren!

 

Autor: Volker T.

 

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