Ausflug mit Gummiente

Logbuch Südafrika 2017/18_4

Unsere südafrikanischen Freunde haben eine Wanderruderfahrt unternommen und sind am Samstag von Simon’s Town nach Gordon’s Bay gerudert. Klingt erstmal nach nichts, wenn man nicht weiß, wo das ist. Jedenfalls haben sie dafür eine Rubber Duck mitgenommen, also ein Schlauchboot, und einen riesigen Katamaran. Wer 40 Kilometer quer über den Ozean rudern will, braucht so etwas.

Die Geschichte ist so alt wie die Menschheit. Jemand steht am Ufer und blickt hinaus aufs Wasser. Und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis er auf die andere Seite will. Und dabei ist es egal, ob es sich um einen Bach, einen Fluss, einen See oder einen Ozean handelt.

Warum ist das so? Dieses Drängen ist tief in unserer Seele verwurzelt. Das Hindernis ist kein Endpunkt, sondern eine Herausforderung, eine Einladung. Genau diese Denkweise hat die Menschen immer weiter gebracht und war auch der Grund, warum vor über 500 Jahren die ersten Europäer mit ihren Segelschiffen das Kap von Afrika umrundeten.

Hier am Kap haben wir das Phänomen mal wieder an uns selbst und an unseren südafrikanischen Freunden erleben können. Der Blick hinüber auf die andere Seite der ca. 40 km breiten False Bay führt einfach zwangsläufig zu dem Wunsch, dort hinüber zu rudern. Und jetzt haben unsere Freunde sich nach Jahren der Vorbereitung diesen Wunsch endlich erfüllt.

Warum? Die Idee ist verrückt, mit schmalen Ruderbooten dort hinüber zu fahren. Doch der Blick in die stolzen, glücklichen Gesichter am Ende der Überquerung beantwortet die Frage eindrucksvoll.

Ehrlich gesagt, ich war dagegen gewesen. Habe mich an diverse See-Umrundungen erinnert mit offenen Blasen und brennenden Muskeln. Trotz Pausen, die hier auf dem offenen Meer ja kaum möglich sind. Und an einige hiesige Ausfahrten, bei denen ich mich gefragt habe, wie ich überhaupt vorwärts kommen soll, da sich meine Blätter entweder weit oben in der Luft oder tief unten im Wasser befanden. Das Niveau dieses Projekts liegt weit über Gummiente. Wie also sollte das gehen?

Alles eine Frage von Glück und guter Organisation. Und von Teamgeist. Am Samstag war Kaiserwetter. Klare Sicht, sanfte Dünung, kaum Welle. Die Organisation war perfekt und offenbar von langer Hand vorbereitet – das Projekt war ein Herzenswunsch und hatte sozusagen schon fertig in der Schublade gelegen (und war in Zeiten von Smartphones und Online-Navigation immer einfacher geworden). Das Team – einfach umwerfend: diszipliniert, motiviert, engagiert, einfach toll. Alles super gelaufen, alle glücklich, die Bilder sprechen für sich.

Konzentriert bei der Einweisung
Die wenigsten rudern die ganze Strecke von 40 km, so dass unterwegs die Teams wechseln. Hier wird geübt.
Auf der Zielgeraden. Im Hintergrund eine Gummiente.
Geordie und Peter sind zufrieden: geschafft!
GPS macht’s möglich – genaue Informationen über die einzelnen Boote gab’s via Smartphone. Jedes Boot hatte eins dabei.

 

 

Titelbild und letztes Bild: Cape Coastal Rowing Club

Farbiger Text: Volker T.

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