Go vegan!

Das ist das Bild meiner ersten veganen Torte. Sie war so lecker wie sie aussieht und ruckzuck weggeputzt. Übrigens auch relativ ruckzuck gemacht. Tja, also ich will es versuchen und schließe mich damit einem Trend an. Trends hinterherzulaufen finde ich zwar fragwürdig. Aber was soll’s, bloß weil etwas ein Trend ist, muss es nicht schlecht sein. Wikipedia erklärt folgendermaßen: “Eine besonders tiefgreifende und nachhaltige Entwicklung”. Ich wünschte, es wäre so und nenne es Haltung.

Also für alle, die es noch nicht wissen: Vegane Ernährung bedeutet völligen Verzicht auf jegliches tierische Nahrungsmittel. Es geht nicht nur um Fleisch. Das bringe ich schon lange kaum noch runter. Und es ist nicht nur das Tierleid, an das ich dabei denke. Nein, es ist der Ekel vor rücksichtslosem (Ess-) Verhalten, das mir überall begegnet. Ich bin von Hessen nach Oberbayern gezogen, und von dort nach Franken. Ich war in Afrika, Asien, Amerika, in vielen Ländern Europas usw. Sogar in Indien mit seiner traditionell vegetarisch lebenden Bevölkerung (das ändert sich gerade massiv). Überall dasselbe: Fleisch auf dem Teller, All you can eat, Schnitzel XXL, heute gönn’ ich mir was, und das am besten jeden Tag …

Diese Kälber haben es vergleichsweise gut. Sie dürfen ihre Hörner behalten, im Freien grasen, die Kleinen werden nicht gleich ihrer Mama weggenommen, um an deren Milch zu kommen. Die Jungs allerdings haben auch hier nicht viel mehr zu erwarten als den baldigen Bolzenschuss.

Mittlerweile dürfte jeder in unserer Gesellschaft mitbekommen haben, wie Massentierhaltung aussieht und welche Folgen der gigantische Konsum tierischer Produkte für die Umwelt hat. Trotzdem tun wir es. Mit den billigsten Ausreden – Der Mensch ist Allesfresser, Fleisch ist gesund, ohne Fleisch schmeckt es nicht, mit meinem Verzicht könnte ich sowieso nichts ändern – machen wir es uns bequem. Schaden der Umwelt und unserer Gesundheit. Werden dick und krank und beklagen uns darüber, und über den Klimawandel jammern wir auch. Konsequenzen ziehen wir nicht.

Diese Damen nehmen ein Staubbad und fühlen sich dabei sichtlich wohl. Hühner zu beobachten, kann sehr unterhaltsam sein. Sie sind neugierig, eigenwillig und witzig. Wenn man sie lässt.

Okay, zurück zu meinem Entschluss. Im Moment bin ich noch etwas unsicher auf den Beinen, was die Versorgung mit veganem Essen angeht. In so vielen Produkten steckt Tier (z. B. Gelatine)! Wie soll ich backen ohne Ei? Was kommt auf’s Brot, wenn ich nicht immer nur Marmelade essen will? Was in mein Müsli? Wie bekomme ich Geschmack her, der sich mit ein paar Schinkenwürfeln oder Anchovispaste so einfach erreichen lässt? Und so weiter. Zum Glück hat sich der Handel auf den Trend schon eingestellt und bietet vieles an, was die vegane Küche braucht. Ratgeber und Kochbücher gibt es zuhauf.

Während ich mich also durch neue Rezepte arbeite und das Internet nach Inspiration und Information durchwühle, stelle ich fest, dass das vegane Essen anfängt, mir Spaß zu machen. Es ist so vielfältig, vieles schmeckt anders als gewohnt, es gibt andere Texturen, Kräuter und Gewürze bekommen einen ganz neuen Stellenwert, die Zunge wird herausgefordert. Es ist total kreativ und macht nachhaltig satt. Es zwingt zum bewussten Essen, liefert aber auch mehr Befriedigung. Vorausgesetzt, man entscheidet sich dafür, seiner Ernährung einen höheren Stellenwert einzuräumen als bisher (von Sterneköchen einmal abgesehen ;-)). Wenn ich an das Image der deutschen Küche denke, wäre Veganismus eigentlich eine Super-Idee.

Es gibt sicher nicht wenige, die bei diesem Konzert das Brutzeln eines Gänsebratens im Backrohr hören. Und sich witzig dabei vorkommen.

Aber es ist nicht nur in der eigenen Küche etwas anspruchsvoller. Womit jeder (Neu-) Veganer konfrontiert ist, ist die Begegnung im Außen. Da wird’s kompliziert. Erstens gibt es kaum Restaurants, die ein veganes Angebot auf der Karte haben. Immerhin sind wir aus der Phase raus, in der einem unter Vegetarisch Huhn oder Fisch angeboten wurde. Meine Nichte rät zu Pommes, die gibt es immer und überall. Aber was für ein trauriges Schicksal. Für Veganer ist es am besten, spezialisierte Lokale aufzusuchen. Dort kann einem dann das Herz aufgehen (In Bamberg zum Beispiel hier). Ich rate jedem Skeptiker zu einem Besuch. Dann entfällt vielleicht auch die Frage, warum man sich der veganen Küche verschreibt. Einerseits verständlich, trotzdem immer wieder irritierend. Habt ihr nicht mitbekommen, was da draußen los ist? Ich liste es noch einmal auf.

  • Tierleid
  • Klimawandel
  • Gesundheitsprobleme

Nein, nicht jeder muss Veganer werden. Es ist ein Entwicklungsprozess und eine Entscheidung. Und ob ich durchhalten werde, weiß ich nicht. Einfach ist es nicht, Verhalten zu ändern. Sich das Nächstliegende, Einfache zu versagen. Dass dies anders herum zur Folge hat, dass man ungerührt in seiner Komfortzone hocken bleibt (und verdammt, was geht’s uns gut), kann und darf nicht sein. Jeder muss etwas tun, und sich auf sein Pedelec zu setzen, reicht definitiv nicht. Das ist der wichtigste Grund, warum ich entschieden habe: Da mache ich nicht mehr mit. “Walk your talk” sagen die Engländer. Alles andere ist Selbstbetrug.

Das ist Gina, mein Tröstehund. Sie muss herhalten, wenn ich die Herzlosigkeit der Welt mal wieder nicht ertragen kann. Sie kam – schon zehneinhalb Jahre alt – aus Sardinien zu uns und bekommt hier ihr Gnadenbrot. Ist nicht ganz einfach mit ihr, sie hat ja schon ein uns unbekanntes Leben hinter sich. Auch diese Herausforderung nehmen wir gerne an.

Während ich hier sitze und schreibe, fackeln die Bauern am Amazonas den Regenwald ab, um Land für die Viehzucht zu gewinnen. Weil die Nachfrage so groß ist. Ja sind wir denn verrückt geworden? Und merken es nicht? Offenbar.

Wir sind zu faul zum Denken und zu bequem zum Handeln.

Ein Wort noch zu einer ganz besonderen Kategorie von Menschen, die, so vermute ich, erst durch das Internet so richtig Fahrtwind bekommen haben und jetzt schon darauf lauern, mir Fehler in meinem Denken und Handeln zu unterstellen (zum Beispiel, weil ich schon einige Flugmeilen gesammelt habe in meinem Leben). Es sind die Motzer und Meckerer und Besserwisser, die sich in Foren tummeln, nicht richtig hinhören und zu Ende lesen, auf Rechtschreibung pfeifen, aber stockbeleidigt sind, wenn man ihnen widerspricht. Denen alles Menschliche fremd ist, außer wenn es um sie selbst geht. Die sich toll vorkommen, wenn ihnen etwas einfällt wie das Motiv unten. Für solche Leute fange ich an zu beten: Herr, schmeiß’ Hirn vom Himmel!

Per WhatsApp bei mir gelandet unter der Überschrift “Meine ersten Fleischtomaten”. Ja, es ist auch lustig. Trotzdem bleibt mir das Lachen im Hals stecken.

Für alle, die das Thema etwas vertiefen möchten, hier ein paar Links.

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