Flott im Pott (Rudern auf der Ruhr)

Man kann über das Ruhrgebiet sagen, was man will. Die meisten, die nicht dort wohnen, sagen “Na ja …”. Ich sage: “Da wohnen ziemlich nette Leute”. Und außerdem: “Da gibt es echt tolle Ecken”. Und das sage ich nicht nur, weil ich in Dortmund geboren bin. Sondern zum Beispiel auch, weil ich gerade eine sehr schöne Rudererfahrung gemacht habe. Unser Weg hat uns dieses Mal nach Essen-Kettwig geführt. Dieser Teil der Stadt Essen liegt im äußersten Südwesten, hat einen sehenswerten Altstadtkern, ringsum viel Grün, attraktive (und vermutlich teure) Neu- und Umbauten (jedenfalls da, wo ich mich bewegt habe), und die Ruhr läuft mittendurch.

Südlicher Wendepunkt der Ruderstrecke. Hier kann man auch wohnen 😉

Außerdem hat Kettwig die Kettwiger Rudergesellschaft, und die durften wir am letzten Freitag auszugsweise kennenlernen. Da sind wir nämlich ganz optimistisch zum offiziellen Breitensportrudern marschiert, wo wir herzlich und unkompliziert aufgenommen wurden. Von den ± 500 Mitgliedern des Vereins waren zwar nur 8 anwesend, aber die hatten es alle drauf, allen voran die einzige Frau vor Ort an dem Abend, Sabine Chavez. Sie sammelt Meistertitel, was nicht weiter verwundert, wenn man sie beim Training beobachtet.

Auf dem Bild: Volker, ein Bamberger, Martin, ein Kettwiger, beide “Normalruderer”, sowie Sabine Chavez vor dem Start. Außerdem Gänsekacke, die auf einem ordentlichen Bootssteg heutzutage dazu gehört.

Ich durfte mit vier Herren den “Ruhrpott” besteigen, einen von der Eins aus fußgesteuerten Fünfer. Dass dieser Job nicht ohne ist, wusste ich von der Zeit am Ammersee. Aber Sven, der diese Aufgabe freiwillig übernommen hat, hat sie – mit umgeschnalltem Rückspiegel – souverän gemeistert. Nun ist die Ruhr hier auch ein traumhaftes Ruderrevier: breit, sanft geschwungen, sauber (gibt einem ein gutes Gefühl – man weiß ja nie), geschützt, weitgehend frei von motorisierter Schifffahrt, gesäumt von sattem Grün und trotzdem abwechslungsreich. Besser geht’s nicht.

Was die Sache für mich vollkommen gemacht hat, ist, wie wir gerudert sind. Ruhig, konzentriert, technisch sauber und flott unterwegs. Es hat sich angefühlt, als hätten wir das immer schon zusammen gemacht, selbst die dreimal 20 “Dicken”. Vermutlich jeder Ruderer weiß es zu schätzen, wenn man nichts erklären muss, sich an nichts krampfhaft anpassen muss, wenn die Schlagzahl stimmt und alle die gleiche Vorstellung davon haben, was gutes Rudern ist. Kommt leider nicht so oft vor. Muss aber erlaubt sein.

Nördlicher Wendepunkt der Ruderstrecke. Mit mir im Boot Sven, Frank, Heinz, Ewald.

Nun waren wir alle “fortgeschrittene Semester”. Die drei Herren rechts auf dem Bild haben gewiss langjährige Rudererfahrung. Sven rudert seit 7 Jahren und sagt, dass er es bedauert, nicht schon viel früher damit angefangen zu haben. Das geht mir auch so. Früher, vor 2014, habe ich Ruderer gar nicht wahrgenommen. Selbst an die Skulls zu greifen, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Gut, besser spät als nie.

Die Kettwiger jedenfalls haben eine starke Ruderjugend, die ordentlich Preise abräumt. Und wenn mich mein Eindruck nicht täuscht, dann ist die Stimmung im Verein kameradschaftlich und entspannt. Ein bisschen Stolz spürt man auch. Das wirkt sogar über die Vereinsgrenzen hinaus. Die Ruderer gehören zum Stadtbild, werden wahrgenommen und sind Teil der Stadtteilkultur.

Wir wären gern dabeigewesen beim Essener Rudermarathon am nächsten Wochenende und hätten noch etwas mehr von der Atmosphäre dort gehabt. Aber die Rückreise war gebucht, und wer weiß, wie wir nach 42 Kilometern Rudern ausgesehen hätten. So nehmen wir einen positiven Eindruck mit und die Aussicht, nicht zum letzten Mal im Ruhrpott auf einem Rollsitz gesessen zu haben.

Ein flottes Video der Ruderstrecke, von Sven Herzog mit der Action Cam gefilmt, findet ihr übrigens hier.

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