Nicht mehr lang, und es wird Stellen geben, wo auch das nicht mehr gegeben ist. Bis es bei uns am Starnberger See so weit ist, wird es noch dauern. Aber Zentimeter für Zentimeter rücken wir vor, wenn wir die Boote zu Wasser lassen, und der flexible Teil unseres Stegs ist schon eine ganze Weile nicht mehr flexibel.

Eigentlich weiß ich nicht so recht, was ich schreiben soll. Schon vor Jahren, im Winter 2017/18, habe ich über die Dürre in der Kapregion Südafrikas geschrieben (Logbuch Südafrika), 2019 dann über den Mangel an Wasser im Stausee Barragem do Maranhaõ in Portugal. Wer die Augen und Ohren offen hält, kann es seit Jahren beobachten, ich mag die Worte hier am liebsten nicht tippen: Das Klima wandelt sich. Nicht zum Guten. Ich sitze in der kühlen, abgedunkelten Wohnung, draußen 33 Grad, wir haben unsere Mitruderer heute überredet, „schon“ um 8 Uhr aufs Wasser zu gehen, und das war nicht früh genug.
In einem Artikel in der aktuellen „Zeit“ über die Wasserspar-Maßnahmen, die der junge Münchner OB der Stadt vorübergehend verordnet hat, berichtet die Journalistin von einer Kurzbefragung, die sie an einer Autowaschanlage durchgeführt hat. Eine Motorradfahrerin gibt ihren Senf dazu „Die Wasserknappheit ist für mich Bullshit. Es gibt Wasser ohne Ende.“ Ja klar, die Menge an Wasser auf unserem Planeten bleibt gleich. Aber wo das Wasser ist und wie es auf die Erde gelangt, das hat sich deutlich verändert, zu unser aller Nachteil.
Einige unserer Ruderer waren heuer schon auf dem Sylvensteinspeicher unterwegs. Auch von dort kommen Hiobsbotschaften, nachzulesen und zu -hören in diesem Beitrag des bayerischen Rundfunks.

Von unseren Ruderern kamen keine Beobachtungen, keine Kommentare, jedenfalls nicht solche, die die Situation thematisiert hätten – weil es noch ging, weil es nicht aufgefallen ist, weil es keiner wusste. Das, glaube ich, ist es, worüber ich schreiben möchte, und es tut mir Leid, dass jetzt unsere Ruderer als Beispiel herhalten müssen. Ich frage mich, wie man es schafft, diese Dinge auszublenden. Bei uns im Verein wird über die Wasserknappheit lediglich insofern gesprochen, als es Probleme für die Ruderei betrifft, insbesondere das Zu-Wasser-Lassen und Aus-dem-Wasser-Heben der Boote. Ich spüre keine Betroffenheit. Gegen die Hitze werden die Ruderzeiten angepasst. Den immer häufiger auftretenden Starkwinden begegnet man lakonisch. Und auf dem Vereinsparkplatz stehen die teuren, blitzsauberen Limousinen. Zugegeben, auch viele Normalos und jede Menge Fahrräder.
Natürlich müssen wir versuchen, irgendwie Normalität in unseren Leben zu behalten. Ein Verein gehört zu den Bereichen, in denen wir uns entspannen wollen. Wir wollen nicht durchdrehen, ich fürchte, das kommt noch früh genug. Aber wir sollten reden. Ich erzähle immer gerne, wie wir damals in Simons Town mit der limitierten Ration von 60 Litern Wasser pro Tag und Person ausgekommen sind, auskommen mussten. Es war nicht schwer, wir waren kreativ und motiviert und haben eine Erfahrung mitgenommen, die uns heute noch begleitet. Auch wenn ich oft denke, dass meine kleinen Maßnahmen die Welt nicht retten werden, auch wenn nicht alles gut ist, was ich tue, und weil ich Resignation für keine Lösung halte (aber zugegeben, ich bin schon ganz schön deprimiert), sehe ich nur einen Weg, versucht’s wenigstens:
Redet darüber. Und wenn möglich, tut Gutes.
P. S. Falls jemand sich Anregungen holen möchte, wie man menschliches Handeln anders denken kann, dem empfehle ich, Niko Paech zuzuhören (z. B. hier). Sein Thema heißt Postwachstumsökonomie, und ich finde es interessant und schlüssig und leider auch utopisch. Auch er sagt: redet darüber.
Foto drei: René Schwarz

