Wir sind Regatta gefahren und Vorletzte geworden (von 28). Ein Grund zur Freude? Darauf antworte ich mit einem uneingeschränkten Ja, und fast jeder reagiert dennoch – weil die Erwartung eine andere ist und einen Tröste-Reflex auslöst – mit dem Spruch „Dabeisein ist alles“. Ich möchte behaupten, so einfach ist es nicht, es braucht schon noch ein bisschen mehr.
Jedenfalls, ehrlich, es kann sich ganz schön schlecht anfühlen, wenn man abgehängt ist. Ich habe das hier beschrieben; der einsame Segler, der weit abgeschlagen im Dunkeln als Letzter in den Hafen einfährt, während die anderen schön warm geduscht haben und beim ersten Bier sitzen, hat sich das bestimmt anders vorgestellt und will’s einfach nur noch zu Ende bringen. Für den ist gerade alles nur noch düster.
Viele solcher Sprüche empfinde ich als fragwürdig („Die Hoffnung stirbt zuletzt“, „Ende gut, alles gut, und wenn es noch nicht gut ist …“ etc.). Im Moment verschaffen sie demjenigen, der sie ausspricht, die Erleichterung, sich nicht weiter mit der Situation auseinandersetzen zu müssen. Komisch eigentlich, für mich wird es an der Stelle erst interessant.
Um auf unsere Fahrt und das Ergebnis zu kommen, wir hätten uns sicher auch gewünscht, ein kleines bisschen besser abzuschneiden. Wir sind mit einer Frauschaft ohne Regattaerfahrung angetreten, das Team hatte sich gerade erst formiert und zu mehr als drei Trainingsfahrten hatte es nicht gereicht. Alle vier Ruderinnen waren zwar keine Anfängerinnen mehr, aber die Erstausbildung lag noch nicht weit zurück. Und dann kam kurz vor der ersten Boje Wind auf, innerhalb weniger Minuten Schaumkronen, und der Rest war nur noch Kampf. Vier Fünfteln der Ruderer vor uns war das erspart geblieben. Mehr war also nicht drin, verständlich.
Was wir geschafft haben: in kürzester Zeit ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, einander zu vertrauen und nichts Unmögliches zu erwarten. Das war außerordentlich, und darüber würde ich gern reden. Ich würde gern darüber reden, dass Offenheit, Respekt und vor allem Vertrauen ganz wichtige Erfolgsfaktoren sind. Und in Trainermeetings etc. darauf hinarbeiten, dass wir das in der Praxis vermitteln können (und selber leben). Aber dazu wird es nicht kommen, aus vielerlei Gründen. Es ist vielleicht spitzfindig, wenn ich sage, der Spruch „Dabeisein ist alles“ ist einer davon.
Um aber nicht gefühlsduselig zu erscheinen, sei noch betont, dass ich absolut leistungsorientiert denke. Für mich stellt sich die Frage, wie man da hinkommt, und meine Antwort lautet: aus verschiedenen Richtungen.
