Bummeln auf der Spree

Mein Freund Donald ist Ruder-Novize, und ich bin an seiner Berufung nicht ganz unschuldig. 1,93 Meter, ein breites Kreuz, kräftige Muckis und ’ne windschnittige Frisur, dazu noch ein Wohnsitz in Friedrichshagen am Müggelsee, das hieße doch Perlen vor die Säue … Die ersten Trainingseinheiten sind inzwischen absolviert. Ich also auf nach Berlin, und wir gemeinsam auf’s Wasser.

Bummler

Der „Bummler“, mit dem wir unseren Ausflug unternehmen, stammt aus den 20er Jahren und ist eines von mehreren schweren Gig-Booten, die der Verein sein eigen nennt und inzwischen um reichlich neues Material ergänzt hat, wobei mich die Jugend-Skiffs besonders beeindrucken. Nachwuchsförderung wird im Ägir groß geschrieben, der 2014 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert hat. Das Bootshaus ist ein Schmuckstück, um dessen Eigentums-Rückübertragung man nach der Wende erfolgreich gekämpft hat. Der Verein hat einige namhafte Ruderer hervorgebracht, darunter Martin Sauer, der u. a. unseren Achter bei der Olympiade in Rio gesteuert hat.

Donald und ich unternehmen eine kurze Stippvisite an den Müggelsee, der uns allerdings mit unruhigem Wasser nicht willkommen heißt. Also zurück auf die Spree, von dort in die Dahme mit ein bisschen Sightseeing in Köpenick.

Rathaus Köpenick
Blick auf das Köpenicker Rathaus
Schlossinsel Köpenick
Wir wurschteln uns an der Schlossinsel vorbei.
Dahme - Spree
Und konzentrieren uns auf Streckenführung und Schiffsverkehr.

Das Fahren im Zweier ohne Steuermann auf verzweigtem Gewässer mit Schiffsverkehr ist nicht ohne (Auf meinen Fotos habe ich das ausgespart  😉 ). Nach zahlreichen Ausweich- und Orientierungspausen sind wir deshalb froh, wieder im „heimischen Hafen“ angekommen zu sein. Dort nimmt uns Pepe alias Peter Schulz in Empfang. Pepe, seit den fünfziger Jahren im Verein, ist eine Prominenz auch darüber hinaus und kann als Steuermann auf eine lange Liste von Siegen zurückschauen, darunter FISA Euro- und World-Masters-Championate.

Pepe

Ich bin beeindruckt und ein bisschen neidisch auf das tolle Material, den zielgerichteten Idealismus der Mitglieder und die gelebte Tradition des Vereins. Tolle Bedingungen für Anfänger und leistungsorientierte Ruderer. Mal sehn, wie unsere nächste gemeinsame Ausfahrt wird.

Zum Schluss treffen wir noch eine Handvoll Ruderer der Treptower Rudergemeinschaft, die am Bootssteg eine letzte Zwischenrast auf dem Heimweg einlegen. Mit Sack und Pack und Steuermann 11 Tage unterwegs – wie sich das anfühlt, da können Donald und ich noch nicht mitreden. Kommt alles noch. Für mich geht’s erstmal weiter auf die andere Seite der Stadt, zum Märkischen Ruderverein und meinen Vereinskameraden von zuhause, zu einer Wanderruderfahrt auf der Havel. Berlin ist eine Rudererstadt mit tausend Möglichkeiten.

TRG

 

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