Rudern und drumrum

Coach as Coach Can. Row as Row Can.

Wie schön, wenn man rudern kann, an der Algarve ein noch fast unberührtes Revier entdeckt und feststellen darf, dass dort ein findiger und entschlossener Mensch bereits für die nötige Infrasstruktur gesorgt hat. Das jedenfalls dachte ich, als ich auf David Mapley und seinen Ruderverein stieß.

David hat den Verein auf die Beine gestellt, und das will etwas heißen. Die Schwerfälligkeit der Portugiesen ist ein dickes Brett. Abgesehen davon ist David ein Multitalent. Er macht so ziemlich alles, Musik, Bücher schreiben, lesen (u.a. Bücher über Mathematik), seinen großen Garten gestalten, kochen, (so nebenbei) Geld verdienen, Ausländern aus der Patsche helfen, die mit Portugiesen in Konflikt geraten (ja, das kann man mit den ach so netten Portugiesen durchaus), und und und. Ich kenne ihn erst seit Kurzem und bin von seiner Dynamik beeindruckt. Dass der Mann auch sympathisch ist, zugewandt und hilfsbereit, nicht zu vergessen.

Jedenfalls, ich hatte die Gelegenheit, mit ihm zu rudern.

Es war schrecklich.

David ist ein hochdekorierter Ruderchampion und Coach und ein durchtrainiertes Energiebündel. Ich bin eine erfahrene Ruderin im Gig-Boot, nicht besonders versiert im Rennboot, mit wenig Praxis in den letzten Jahren und einigen physischen Einschränkungen, die sich auf meine Körperbeherrschung auswirken. Ach, was hätte ich darum gegeben, 30 Jahre jünger zu sein, ein dickeres Fell zu besitzen und ein Gehör/Gehirn, das auch mit British English-Genuschel problemlos fertig wird.

Unser Revier habe ich im letzten Beitrag beschrieben. Eigentlich hätte alles gut sein können. Aber ich war total überfordert, hatte plötzlich einen Rennzweier auf der Schulter, habe die Anweisungen nicht verstanden, wusste nicht woher und wohin und bin gefahren wie eine Anfängerin, nachdem ich vom Coach instruiert wurde, die ersten Minuten regungslos und unbeteiligt im Boot zu sitzen, und mich vollkommen verkrampft habe. Vorrollen, Eintauchen, Durchzug, Balance etc., alles falsch … Und dann die Anweisung: Mach dich locker (haha).

Zwei Dinge habe ich aus unserer Ausfahrt mitgenommen. Das eine ist die Erinnerung daran, wie meine Ruderer im Anfängerkurs sich vermutlich manchmal fühlen. Die Empathie dafür kann einem im Prozess leicht mal verloren gehen. Das andere ist der Appell an mich selbst, beim nächsten Mal Stopp zu sagen. Das hätte ich tun sollen: 🤚 Den Mut aufbringen und raus aus der Situation gehen. Das Dilemma ist, dass David mir Gutes tun wollte. Ich dagegen war völlig überfordert und habe versucht, meine Performance doch noch in den Griff zu kriegen, meine Schmerzen zu unterdrücken und meine Schwäche nicht zu zeigen. Und meinen Ärger über diese – unbeabsichtigte – Erniedrigung. Gegen Ende hat er nichts mehr gesagt; das war fast noch schlimmer als die Korrekturen davor. Ganz schön komplex, das Ganze.

David hat sich von mir verabschiedet mit den Worten „Das bringe ich dir bei“. Für mich stellt sich jetzt die Frage: Will ich das? Und meine Antwort lautet: Nein. Ich höre meinen Ehrgeiz zappeln und rufen: Doch! Aber ich muss das loslassen. Ich bin in meinem 70sten. Ich möchte gerne noch mit Spaß rudern, so gut ich kann. Auch wenn Rudern ein Sport ist, bei dem man eigentlich immer an seiner Technik feilt – wenn man die Sache ernst nimmt, muss man seine Grenzen kennen. Seufz!

Im Nachgang zu unserer Ausfahrt gehen mir Gedanken über Kritikfähigkeit, Sensibilität, Ehrgeiz, Selbsteinschätzung durch den Kopf. Das will ich hier nicht weiter ausführen. Das kann jeder für sich selber tun und ich empfehle es, ob in der Rolle als Coach oder in der als Lernender.

Ein kleiner Ausschnitt aus einer erfolgreichen Ruderkarriere

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