Für uns soll’s (rote) Rosen regnen

Der Termin der Roseninsel-Achterregatta trifft sich immer mit einem anderen, wichtigen Ereignis: Meinem Geburtstag, der mir irgendwie nahe geht. Besonders, wenn es, wie in diesem Jahr, der 60. ist. Für mich ist die Zeit Ende September also ein absolutes Highlight. Auch wenn ich beidem mit gemischten Gefühlen begegne. Aber ich finde, man kann sich auch mal selbst feiern, und das habe ich getan. Am Ende des (Geburts-) Tages habe ich mich allein mit einem Glas Secco hingesetzt und mir fünfmal hintereinander mein Lieblingslied von Hildegard Knef angehört: Für mich soll’s rote Rosen regnen, in der Version mit Extrabreit.

Rote Rosen waren es nicht, die wir überreicht bekommen haben, auf dem Podest in Starnberg. Aber immerhin eine hübsche Medaille mit stilisierter Rose. Von den 69 teilnehmenden Achtern (plus sechs Jugendlichen-Achter), haben wir mit unserem Damen-Achter den vierten Platz belegt – von hinten betrachtet. Dicht gefolgt von unseren Alten Herren mit dem stolzen Durchschnittsalter von 75. Beides preiswürdig, denn in unseren Klassen (eingeteilt nach Durchschnittsalter und unter Berücksichtigung des “Damenbonus”) haben wir jeweils gewonnen. Okay, die Konkurrenz war nicht groß, um nicht zu sagen, gar nicht vorhanden.

Aber so ist das eben, dabeisein ist fast alles. Das Gefühl von Gemeinschaft, das Harmonisieren der Abläufe, das Trainieren mit demselben Ziel, die gemeinsame Disziplin und in unserem Fall (Damenachter) die gegenseitige Wertschätzung und Zuneigung, das beschert uns echte Glücksmomente.

Bitte keine schlechte Figur und nichts kaputt machen
Bitte keine schlechte Figur und nichts kaputt machen
Backbordsculls nach Backbord, Steuerbordsculls nach Steuerbord. Und die Dollen Richtung Stemmbrett
Steigt ein!
Steigt ein!
Stoßt ab!

Auch, wenn wir alle immer sagen und es so meinen, dass es großartig war, spielt für mich dieses “fast” eine ganz wichtige Rolle. Denn was ich erlebe, in der Situation, in der Aktion, kann man nur schwer mit “großartig” beschreiben: Der Startschuss fällt, wir keulen los, dass es nur so spritzt, versuchen, trotz der Hektik einen gleichförmigen Schlag hinzukriegen, aufrecht zu bleiben, Beindruck auszuüben, all das, was wir gelernt haben, versuchen, keine Luftschläge zu machen, nicht vorzuschlagen … Gleichzeitig ziehen die meisten anderen Boote davon, was ich schon kaum mehr mitbekomme, denn ich befinde mich vom ersten Moment an in einer Art Tunnel. Nicht lange, und es fängt an wehzutun. Eigentlich denke ich schon nach wenigen Schlägen, ich schaffe es nicht bis zum Ende. Steuermann Volker brüllt bei jedem Durchzug einen Befehl, ich höre nicht mehr, was. Geht wohl nur noch übers Unterbewusstsein.

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Natürlich halten wir die 12 Kilometer durch. Keine klappt zusammen, nicht während, nicht danach. Die Handflächen brennen, die Sitzknochen tun weh, die Anstrengung ist uns ins Gesicht geschrieben. Wir spüren uns. Wir schaffen es. Wir wollen alles, nicht nur dabeisein. Vielleicht ist es die Tatsache, dass wir fast alle Späteinsteiger sind und alle nicht mehr taufrisch, die uns besonders sensibel macht für diesen Erfolg. Nächstes Jahr wieder!

 

Fotos: Titelfoto und 1 bis 4 Peter Harz, Foto 5 Bernardofoto auf Flickr

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