So viele Tiere (noch)

Logbuch Südafrika 2017/18_11

Mit der Linken hält sie das Steuer des 2 Tonnen-Landrovers fest im Griff. Mit der Rechten den Scheinwerfer, den sie suchend hin und her bewegt. Ab und zu lässt sie das Steuer los, um mit Links zu schalten. Hinter ihr sitzen 6 Touristen, die angestrengt ins Dunkel starren und ihren Erläuterungen lauschen. Es geht über Stock und Stein, offroad, was sich hier nicht jeder (Tourist Guide) zutraut. Aber Cassandra kann’s. Cassandra kann auch vom fahrenden Auto aus zwei Zentimeter kleine Chamäleons ausmachen und sieht trotz ihrer fordernden Multitasking-Aufgabe noch vor uns fast jedes Augenpaar im Busch.

Unbedingt zu empfehlen für Touren im Isimagaliso Wetland Park (Ausgangspunkt St. Lucia): shakabarker.co.za

Ich liebe Tiere. Und wie üblich bin ich mit mir uneins, was das bedeutet. Einerseits möchte ich sie sehen und ihnen so nah sein wie möglich. Selbstverständlich bin ich hingerissen, als bei der Nachtfahrt mit Cassandra im Isimangaliso Wetland Park tatsächlich plötzlich ein Leopard vor dem Scheinwerferkegel unseres Fahrzeugs auftaucht. Es ist nur ein kurzer Moment. Die Katze verschwindet schnell und geschmeidig hinter dem Buschwerk zu unserer Linken. Sie will von uns nichts wissen. Zu unserer Rechten etwas weiter hinten im Gestrüpp sehen wir einen Buschbock – ziemlich sicher das nächste Abendessen unseres Leopards. Schluck.

Aber natürlich nehme ich uns auch als Störer wahr. Fast alle großen, beeindruckenden Tiere sehen wir, weil sie in ein mehr oder weniger großes Reservat eingeschlossen und an uns als Besucher gewöhnt sind. Um die Tiere vor uns Menschen zu schützen, müssen wir sie einsperren, um sie dann gegen Geld, das ihrem Erhalt und Schutz zugute kommt, zu besichtigen. Im Hluhluwe-Nationalpark wurden in einer der letzten Vollmondnächte 11 Nashörner abgeschlachtet, und das alles wegen ein paar blöden, impotenten Asiaten. Es ist schon eine merkwürdige Welt.

Volker sagt: “Guck mal, da liegt eine Damenhandtasche.” Ein schlechter Scherz, wie er selber weiß. In Johannesburg habe ich eine Straßenhändlerin angesprochen, die eine scheußliche Handtasche aus Reptilienleder, nein, aus einer ganzen Reptilie in ihrem Sortiment hatte. Ich sagte ihr, dass ich es ganz schrecklich fände, die Tiere dafür zu töten. Ihre Antwort: “Wir töten die nicht, wir finden die”.
Die Flusspferde schlafen tagsüber und grasen nachts. Sie nutzen sich gegenseitig als Kopfkissen. Süß sehen sie aus, sind aber nicht ungefährlich.
Dieser stolze Krieger – ein Serval – sieht so aus, als wäre mit ihm nicht gut Kirschen essen. Er kann bis zu 6 Meter hoch springen.

Was ich genauso spannend finde wie die organisierte Pirsch auf die “Big Five” (Löwe, Büffel, Elefant, Giraffe, Leopard) ist das, was uns auf unserer Reise so ganz nebenbei noch begegnet. An Zebras und Antilopen am Wegesrand haben wir uns ja schon gewöhnt. Die bestimmt zwei Meter lange Schlange, die sich bei unserer Waldwanderung vor ein paar Tagen unmittelbar vor mir ins Gebüsch geschlängelt hat, hat mich sehr beeindruckt und – ehrlich gesagt – erschreckt. Vermutlich eine giftige Cobraart, die hier, vielleicht zum Glück, nicht jeder einfach so zu sehen bekommt. Es gibt Unmengen Vögel nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören (klar), und immer wieder Affen. Wir haben Mungos gesehen und einen Leguan, Schlammspringer und Krabben in allen Größen, waren von Pinguinen umringt, haben Robben beim morgendlichen Sonnenbad beobachtet und Delfine. Geckos natürlich und alles mögliche Krabbel- und Flattergetier. Alles wunderbar und faszinierend.

Und überall, wo wir hinkommen, sprechen die Menschen von dieser schrecklichen Dürre, die in der Kapregion am schlimmsten ist, aber sich auf das ganze südliche Afrika erstreckt. Menschengemacht, vermutlich. Was wird eigentlich aus all den wilden Tieren, wenn es kein Wasser mehr gibt? Die Schildkröten sind schon verschwunden, sagt Anna-Marie, die am Kap viel zu Fuß unterwegs ist. Ausgewandert sind sie bestimmt nicht.

 

2 Gedanken zu „So viele Tiere (noch)

  1. Hey, das sind aufmunternde Worte. Ganz besonders freue ich mich darüber, dass jemand spürt, was ich spüre. Ist nämlich nicht einfach so dahingeschrieben. Danke! Liebe Grüße, Bettina

  2. Liebe Bettina,

    Du hast in der Tat eine wirklich wunderbare Art zu schreiben! Mitreißend und überaus positiv wirkend in Deiner Art des Seins. Ich habe einige Deiner Blogartikel gelesen und kann nur sagen: Deine Begeisterungsfähigkeit steckt an!

    Liebe Grüße und alles Gute auch bei zukünftigen diversen Umdrehungen im Uhrzeigersinn,

    Florian.

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