Man kann reiten, rudern, seltene Tiere beobachten …

Logbuch Südafrika 2017/18_6

Baden kann man nicht so gut an der West Coast (wie überhaupt rund ums Kap), weil die Brandung stark ist und das Wasser kalt. Dafür kommt man in vielerlei anderer Hinsicht auf seine Kosten, wenn man, so wie wir in den letzten Tagen, Kapstadt verlässt und die West Coast hochfährt. Unser Ziel: der beschauliche Ort Velddrif, wo Ruderfreund Peter Odell wohnt und uns eingeladen hat zum, na ja, Rudern halt. Peter ist im Besitz einiger Boote und eines eigenen Anlegeplatzes und wohnt direkt am Wasser. Sehr praktisch. Und wenn dieses Wasser ein Kanal ist, der die Wohnanlage wie ein Burggraben umschließt*, hat man sogar das Privileg eines weitgehend geschützten Ruderreviers, ganzjährig befahrbar. Hinzu kommt, dass man von dem Kanal aus in den Berg River einfahren kann und, wenn man will, binnen kurzem das offene Meer erreicht. Ruderrevier reichlich also.

 

Wir fahren durch diese Hafenanlage (Port Owen) und biegen dann rechts ab in den Kanal, der auf das offene Meer hinaus führt.
Das flache Wasser fährt sich wunderbar. An- und Ablegen am Strand allerdings sind nicht einfach, weil die Brandung doch nicht ohne ist.
Peter und Derrick geben sich als Strandpiraten und fangen das herrenlos dahintreibende Boot wieder ein.

Unser Ausflug war rund um die Organisation eines Besuchs arrangiert. Der Oldenburger Ruderverein ORVO macht es tatsächlich wahr und besucht im März die südafrikanischen Freunde, allen voran Derrick Read (http://cox-box.de/derrick-read-feel-the-bubbles/), aber auch Peter Odell (http://cox-box.de/its-magic/). Wir fahren also auch noch ein bisschen die Gegend ab und erkunden das mögliche Besichtigungsprogramm, darunter einen Küstenort mit dem lustigen Namen Paternoster. Es gibt im ganzen Land viele Orte, deren Namen in unseren Ohren vertraut und witzig klingen (Allesverloren, Wintervogel, Darling, Brandenburg, Wuppertal usw.). Fast immer kennt jemand eine Geschichte dazu, und oft ist diese wenig schmeichelhaft für uns Europäer.

Dieser beeindruckende Kerl konnte ganz schön zubeißen.
Die Pflanzen widerstehen der Trockenheit.
Wir finden das Gerippe eines Lobsters. Unsere Gastgeber erklären uns, dass Wilderei ein Problem ist. Traurig.

Die Fahrt nach Velddrif, von Simon’s Town knapp 160 km, ist schnell erledigt und hat mich deutlich an Namibia erinnert (das man, wenn man weiterfährt, auch erreicht). Ab Milnerton, das noch sehr Kap-städtisch ist, geht es fast nur noch schnurgeradeaus in leichtem Auf und Ab. Rechts und links der Straße mehr oder weniger flaches Buschwerk auf hellbraunem Grund. Ab und zu ein paar Strauße. Ein paar Rinder. Raubvögel ziehen ihre Kreise und hochmotorisierte deutsche Markenautos oder rumpelige Pick-Ups ziehen an einem vorbei. Ein Highlight auf der Strecke ist ein Abstecher zum Blouwbergstrand, direkt hinter Milnerton, einem der Hotspots für Kite-Surfer. Die bunten Gleitschirme vor dem makellosen Tafelberg sind einfach ein Hit.

 

* Privilegierte und hochgesicherte Wohnanlagen oder auch private Wohnhäuser sehen wir immer wieder. Der Kontrast zu den Townships könnte nicht größer sein, die Gegenpole bedingen sich gegenseitig. Weil das eine so ist, muss das andere so sein. Weil die einen so arm sind, müssen sich die anderen abschotten. Weil die anderen sich lange an den vorhandenen Ressourcen bedient haben (mit der Folge, dass ihre Nachkommen eher wohlhabend sind), kriegen die einen kein Bein auf den Boden. Eine komplizierte Geschichte, die die Gemüter hier häufig bewegt. Auch uns. Ich jedenfalls kann sagen, dass mir solche „Burggraben-Idyllen“ oft nicht gefallen und ich dauerhaft in so etwas nicht wohnen wollen würde.

 

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