Guckst du

Oder besser: Vermutlich habe ich dumm geguckt, als ich gemerkt habe, dass ich mal wieder nicht weit genug und nicht radikal genug gedacht habe. (Alle, die sich nicht für Tierschutz und Tierrechte interessieren, können an dieser Stelle aufhören zu lesen. Alle, die sich gern in einer gedanklichen Komfortzone aufhalten und diese nicht verlassen wollen, gerne auch.)

Ich unterstütze Peta, eine Organisation, die sich für Tierrechte einsetzt, weltweit und mit einigem Erfolg. Das tue ich, weil ich das, was wir Menschen mit den Tieren anrichten auf der Welt, kaum ertragen kann. Weil ich das materialistisch-homozentrierte Weltbild, das mir auf Schritt und Tritt begegnet, nicht mehr abkann und irgend etwas dagegen tun möchte. Was Peta mir an Information vorsetzt, raubt mir oft den Atem, manchmal den Schlaf, und es ist schon vorgekommen, dass ich in Tränen ausgebrochen bin. Jetzt habe ich gelesen, dass der Verein einen Rechtsstreit führt mit dem Fotografen, der für dieses Bild (Titel) verantwortlich ist. Weil das Foto ein Selfie ist, das Naruto, der Makake, mit der Ausrüstung des Fotografen geschossen hat, und die Rechte an dem Bild entsprechend dem Affen zustehen und niemand sonst. Was für ein Schwachsinn, habe ich gedacht, und war drauf und dran, meine Mitgliedschaft zu kündigen.

Zum Glück habe ich aber doch noch einen Blick auf die Website geworfen und diesen Beitrag von Hendrik Thiele gelesen („Lieber Micky Beisenherz“), eine Replik auf dessen (Micky Beisenherz‘) Verunglimpfung der Peta-Aktion im Stern. Absolut super geschrieben, fetzig und auf den Punkt.

Abgesehen von der Situation des Fotografen, der ja nun die Arschkarte gezogen hat und tatsächlich pleite ist (Bauernopfer), kann ich mich den Motiven von Peta durchaus anschließen:

Zum Affen-Selfie: Exakt, wir verklagen einen Fotografen, weil er aus einem Foto Profit schlagen möchte, das er gar nicht selbst gemacht hat. Die Tatsache, dass wir leider in einer Welt leben, in der manchen Lebewesen, wie z. B. dir, Persönlichkeitsrechte zugestanden werden und anderen – wie dem Makaken Naruto – nicht, ist für uns kein Grund, das einfach hinzunehmen. Für uns steckt in dieser Angelegenheit das Potenzial, einen juristischen Präzedenzfall zu generieren, da einem Primaten erstmals vonseiten eines Gerichts Persönlichkeitsrechte zugestanden werden könnten. Sollte dies passieren, könnte das perspektivisch auch für andere hochintelligente Tiere wie Orcawale oder Delfine, die ihr Dasein in Entertainment-Parks fristen müssen, unabsehbare, positive Konsequenzen haben.

Es gibt manchmal Überlegungen, die weit über das eigentlich Denkbare hinausgehen. Sie irritieren uns, wir haben keine Muster, die uns als Vorlagen für Reaktionen dienen. Wer da einfach nur „Schwachsinn“ denkt, macht es sich zu leicht. Wer dies laut tut, begibt sich in die Gefilde der Polemik, handelt unfair und verantwortungslos. Ich bin mir selbst oft nicht sicher, ob meine Haltung „richtig“ ist. Ich weiß, dass meine Sachkenntnis nie umfassend sein kann und so viele Unwägbarkeiten eine Rolle spielen, dass das Fundament meiner Haltung immer wackelig sein wird. Aber ich weiß oft – z. B. im Fall der Tierrechte –, wofür mein Herz schlägt und was ich unbedingt will. Und dem ordne ich meine Haltung unter. Nicht kritiklos. Lediglich bewusst. Manchmal muss man weit denken und viel fordern, um einiges zu erreichen.

Soviel also zu Naruto und seinem „Persönlichkeitsrecht“.

Für alle, die genauso denken wie ich, noch ein kleiner Anhang. Wer immer sich in unseren multimedialen Zeiten über die pseudo-geistreichen Ergüsse mancher Zeitgenossen ärgert, denen man eigentlich nicht entkommen kann, wenn man Augen und Ohren offen hält (Angefangen bei Forenbeiträgen irgendwelcher Witzbolde und Besserwisser), dem sei die Lektüre der Online Kolumne von Micky Beisenherz empfohlen. Einfach zum Schärfen des Verstandes. Obwohl es echt weh tut.

Melly hat kein Problem mit ihren Persönlichkeitsrechten. In unserem Haushalt gibt sie eh den Ton an.

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