Frühjahrsputz

Die gute Nachricht ist: An dem Samstag Ende März, dem Tag für den Frühjahrsputz der BRG, schien mal so richtig die Sonne, so dass die 32 fleißigen Helfer mit leuchtend polierten Bootsoberflächen (und was da sonst noch frisch geputzt in hellem Licht erstrahlte) belohnt wurden. Putzen macht doch nur Spaß, wenn man sieht, was man getan hat. Und Putzen ist nur halb so schlimm, wenn es in der Gruppe geschieht.

Auch innen wird gewienert

Die schlechte Nachricht ist: Die BRG hat über 500 Mitglieder. Und davon sind 32 nicht einmal zehn Prozent. Ganz schön mau, wenn Sie mich fragen.

Freiwillige Vereinsarbeit ist eine Sache für sich. Das haben bestimmt viele schon erlebt. Es gibt immer ein paar Hochaktive, die die Sache am Laufen halten. Ihnen gebührt Dank, auch wenn sie ihre Reihen oft ziemlich geschlossen halten. Dann gibt es eine breite Masse, von der man kaum etwas hört und sieht und sich fragt, warum sie überhaupt Beiträge zahlen (Beträge sind natürlich immer gut). Und dann gibt es ein überschaubares Grüppchen Aktiver, die sowohl dem Vereinszweck frönen (hier also Rudern), als auch sich nicht lumpen lassen und mit anpacken, wenn’s drum geht.

Esther wagt sich weit hinaus. An dem in die Flussmitte ragenden Rohr bleibt jede Menge Treibgut hängen, und zwar hartnäckig. Für ein zartes Weib eigentlich nicht der richtige Job. Ein Balanceakt, leider nicht von Erfolg gekrönt – da müssen andere Kräfte ran. Aber Hut ab für den Versuch. Das nenne ich Frauenpower!

In meinem früheren Verein, dem TSV Herrsching, gibt es die Regelung, dass jedes Mitglied pro Jahr 10 Arbeitsstunden zu leisten hat. Wer diese nicht bringt, zahlt stattdessen. Auch dort gibt es einen Frühjahrs- und einen Herbst-Arbeitstag. Die Abteilung Wassersport des TSVH hat deutlich weniger Mitglieder, aber beim Arbeitstag sind sie da – jedenfalls richtig viele. Auch wenn es über den Geldbeutel gesteuert wird, das Ergebnis ist positiv. Der Gemeinschaft tut es gut, wenn man sich wenigstens ein oder zwei Mal im Jahr sieht.

Junge Leute haben sicherlich andere Interessen, als an einem Samstag zu putzen. Um so sympathischer ist es, dass einige anderweitigen Freizeitverlockungen widerstehen.

Das Schlüsselwort heißt Sportsgeist. Schon während ich das Wort schreibe, komme ich mir irgendwie “von gestern” vor. Das Wort ist bestimmt schon längst durch einen Anglizismus ersetzt, Team Spirit zum Beispiel. Vermutlich ist der Begriff als solcher für viele in das geistige Archiv gewandert, und unsere Spaß- und Konsumgesellschaft hat auch die Inhalte umdefiniert. Wie auch immer, warum auch immer. Ich saß bei der Veranstaltung im Rollstuhl in einer Ecke, habe zugeschaut und den positiven Geist eingeatmet, den zufrieden gemeinsam arbeitende Menschen verströmen. Sportler allesamt, und zum Glück auch junge. Ein schöner Tag :-).

Fotos: Albert Gößwein

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